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Kurt-Schwaen-Archiv (KSA)
Das Kurt-Schwaen-Verzeichnis (KSV) |
Das Kurt-Schwaen-Archiv besteht seit 1980 in privater Trägerschaft im Hause des Komponisten in Berlin-Mahlsdorf unter Leitung von Dr. Ina Iske. Es hat die Aufgabe, Werk und Biographie des Künstlers zu erforschen und seine Musik zu verbreiten.
Die Bestandteile des Kurt-Schwaen-Archivs sind:
· Notenautographe und Druckausgaben
· Tagebücher
· Alle Schriften von Schwaen
· Briefwechsel
· Tonträger (Schallplatten und CDs, Tonbänder und Kassetten)
· Videobänder
· Fotos und Negative, Diareihen
· Plakate von Opernaufführungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen
· Programme und Rezensionen
· Sekundärliteratur
· Zeichnungen und Grafiken
Einen besonderen Schwerpunkt stellte die systematische Erarbeitung eines präzisen Werkverzeichnisses dar. Alle Verzeichnisse werden ständig aktualisiert und liegen ausführlich dokumentiert in Form eines Handbuches als Manuskript im Archiv vor. (Rosemarie Groth / Ina Iske (Hg.): Kurt Schwaen. Kompositionen - Schriften - Literatur)
Das Archiv ist zugleich auch ein lebendiges musikalisches Zentrum, pflegt Verbindungen zu Verlagen und Interpreten und gibt Anstöße für Veranstaltungen. Auch die Herausgabe eines Mitteilungsheftes des Archivs fördert diesen Gedanken und kann auf Bestellung kostenlos bezogen werden.
Wie in jedem Archiv gibt es im Kurt-Schwaen-Archiv die verschiedensten Verzeichnisse, in denen Notenautographe, Notendrucke, Tonaufzeichnungen, Schriften zum Werk und vieles mehr registriert werden. Basis für alle ist das seit 1986 gültige Kurt-Schwaen-Verzeichnis (KSV). Darin sind sämtliche Werke des Komponisten in chronologischer Reihenfolge nach dem Anfangsdatum ihres Entstehens erfaßt und den insgesamt 18 Genres des Schwaenschen Œuvres zugeordnet.
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I |
Tasteninstrumente |
X |
Chor mit Instrumenten |
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II |
Streichinstrumente |
XI |
Kantaten und ähnliche Kompositionen |
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III |
Blasinstrumente |
XII |
Kindervokalmusik |
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IV |
Zupfinstrumente |
XIII |
Szenische Kindermusik |
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V |
Balginstrumente |
XIV |
Bühnenwerke (Oper, Ballett) |
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VI |
Gemischte Kammermusik |
XV |
Bühnenmusik |
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VII |
Orchesterwerke / Solokonzerte |
XVI |
Film-und Fernsehmusik |
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VIII |
Sololieder |
XVII |
Funkoper - Hörspielmusik |
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IX |
Chor a cappella |
XVIII |
Ad-libitum-Besetzung |
Schon zuvor gab es Verzeichnisse der Kompositionen Schwaens. Alljährlich stellte er aus seinen Tagebuchnotizen eine zusammenfassende Übersicht der neuen Kompositionen zusammen. Er legte jedoch keinen Wert auf genaue chronologische Einordnung und erfaßte auch nicht alle Werke. Eine durchgehende Zählung gab es nicht. Im Rahmen seiner Dissertation erarbeitete 1969 Ludwig Müller ein numeriertes Werkverzeichnis, das auf den Angaben basierte, die der Komponist ihm dafür zur Verfügung stellte. Darauf baute zunächst auch das von der Akademie der Künste der DDR seit 1972 geplante Projekt eines Handbuches über Schwaen auf.
Seit 1986 wurde das Werkverzeichnis in seiner jetzigen Fassung gestaltet. Es mußte flexibel auf das Wirken des Komponisten reagieren. Seit der Fertigstellung des ersten Verzeichnisses von Müller hat der Komponist viele Stücke verworfen oder weiterverarbeitet. Sorgfältige und rücksichtsvolle Detailarbeit war und ist gefragt, um die schöpferische Kraft des Komponisten trotz der relativen Starrheit eines Verzeichnisses aktuell widerzuspiegeln. Es entstand eine neue und präzise Chronologie. (Siehe Literatur: Schweinhardt, Peter (Hrsg.): Kurt Schwaen zum 90. Geburtstag)
Als Sigel für Kurt-Schwaen-Verzeichnis ergab sich die Abkürzung KSV. Die Genres erhielten als Sigel jeweils eine römische Ziffer, die vor der Werknummer steht: I Tasteninstrumente, II Streichinstrumente usw. (Nocturne lugubre für Klavier = I/KSV 568).
Unter einer KSV-Nummer finden sich oft auch mehrere Kompositionen eines Genres, z.B. wenn Titel von der Entstehungszeit her zusammengehören oder wenn es nur kurze Stücke sind.
So sind alle Autographe in Mappen, ebenso gedruckte Noten und Fotokopien der Manuskripte, die Archivalien der Diskothek und Fotothek (soweit sie sich auf das Werk beziehen) und alle Schriften Schwaens zu seinen Kompositionen sowie die im Archiv registrierte Literatur anderer Autoren zum Werk des Komponisten nach Genre- und KSV-Nummern geordnet und dem Nutzer zugänglich.
Von jeher hatte Schwaen eine enge Bindung zur Literatur und zur deutschen Sprache. So wundert es nicht, daß er sich auch häufig schriftlich geäußert hat. In der frühen Zeit schrieb er sogar neben Kritiken gelegentlich Kurzgeschichten und Kreuzworträtsel für Zeitungen. Die erste im Archiv erhaltene Rezension wurde 1934 in der Zeitung Berlin um Mitternacht abgedruckt. Sie trägt den Titel: Die Erstarrung des Tonfilms.
Die Schriften-Kartei (ca. 800 Karten) umfaßt im wesentlichen alle Schriften und Aufzeichnungen des Komponisten, unabhängig davon, ob sie bisher publiziert worden sind oder nicht; zudem mündliche Äußerungen, soweit sie durch Niederschrift, Tonbandprotokoll, Videoaufzeichnung, Rundfunk-, Film- oder Fernsehsendungen festgehalten wurden. Die Quellen befinden sich fast ausnahmslos im Archiv.
Die Schriften sind Themenkreisen zugeordnet:
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1. Autobiographie |
6.Volks- und Laienmusik |
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2. Werk |
7. Kindermusiktheater |
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3. Kulturpolitik |
8. Künstler und ihr Werk |
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4. Musikleben und Musikkultur |
9. Rezensionen |
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5. Musikwissenschaft |
10. Literarische Arbeiten |
Zu den autobiographisch wichtigsten schriftlichen Aufzeichnungen gehören die Tagebücher, die Schwaen seit 1939 führt. Inzwischen auf 55 Bände (ca. 5000 Blatt) angewachsen, stellen sie eine Fundgrube an Informationen dar.
Das Verzeichnis des Briefwechsels baut auf den im Kurt-Schwaen-Archiv und in Sonderfällen auch in anderen Archiven vorhandenen Briefen auf, soweit sie für das persönliche und künstlerische Leben des Komponisten von Bedeutung sind. Ergänzend zu Schriften und Tagebuchaufzeichnungen vermittelt die umfangreiche Korrespondenz Schwaens ein weit gefächertes Spektrum an Informationen.
In der Regel befinden sich im Schwaen-Archiv nur die Briefe der Briefpartner des Komponisten, in Ausnahmefällen jedoch auch Durchschläge oder Kopien seiner eigenen Briefe
Der erste erhaltene Briefwechsel datiert aus den Kriegsjahren 1943-45, als Schwaen Soldat in der Strafdivision 999 war und nach Hause an seine Frau Hedwig in Berlin schrieb.
Die Briefpartner sind in Gruppen zusammengefaßt. Es ist eine beeindruckende Vielfalt, die Schwaens breiten Interessenkreis widerspiegelt. Der weitaus größte Personenkreis (ca. 160) gehört der Gruppe Komponisten, Interpreten, Musikwissenschaftler usw. an.
Neben der Archivierung von Kompositionen, Schriften und Briefen Schwaens ist das Archiv selbstverständlich auch bemüht, Sekundärliteratur über den Komponisten zu sammeln. Das Literatur-Verzeichnis umfaßt schriftliche Aussagen zu Leben, Werk und Wirken Schwaens, die publiziert sind oder im Archiv als Manuskripte vorliegen (ca. 2000 Titel). Alle ausführlichen Publikationen über Schwaen sind im Archiv vorhanden.
Die Literaturkartei umfaßt folgende Sachgebiete:
1. Leben und Schaffen. Würdigungen. Geburtstage
2. Werk
3. Öffentlichkeitsarbeit. Musikschulen. Patenschaften
4. Musik für Kinder. Kindermusiktheater
5. Rezensionen (von Konzerten mit Werken verschiedener
Genres, von Büchern und Noten sowie von Veranstaltungen,
bei denen Schwaen als Pianist mitwirkte).
War über Leben und Werk Kurt Schwaens in musikalischen Nachschlagewerken der DDR in zahlreichen Beiträgen nachzulesen, fehlte sein Name in der alten Bundesrepublik fast völlig. Erst seit 1990 zeichnet sich allmählich eine Veränderung ab. Der wichtigste und umfangreichste Beitrag (45 Seiten) ist im Lexikon Komponisten der Gegenwart zu finden.
1. Die Phonothek
Eine der Kostbarkeiten des Archivs ist die erste Tonaufzeichung von Werken Schwaens aus dem Jahr 1949, als er mit Ernst Busch zusammenarbeitete. Es handelt sich um die Probepressung (Musterplatte, 78 UpM) einer Schallplatte, die nicht in den Handel kam. Kate Kühl singt Schwaens Songs Zehn Freunde und Für die Zukunft unserer Kinder aus dem Zyklus Wir kämpfen für das Leben nach Texten von Paul Eluard und Robert Gilbert. Die Leitung des kleinen Instrumentalensembles hat der Komponist.
Weitere Aufzeichnungen folgten bei Eterna und Nova (DDR), zu Beginn noch mit 78 UpM, dann mit 45 UpM, 1961 erstmals als Langspielplatte mit den heute noch üblichen 33 UpM (Volksliederstreichquartett), sowie bei Columbia Japan, Duraphon Schweiz und anderen Schallplattengesellschaften.
Im Bestand des Archivs befinden sich Kompositionen von Schwaen auf ca. 40 Schallplatten aus dem Zeitraum von 1949 bis 1988 und auf ca. 35 CDs aus den Jahren 1989 bis 2006.
Neben diesen Tonträgern gibt es im Archiv ca. 400 Tonbänder und Kassetten, auf denen sowohl vom Rundfunk produzierte Werke zu finden sind, als auch Mitschnitte von Proben und Konzerten, besonders anläßlich von Uraufführungen. Historisch interessant sind die Mitschnitte von ca. 80 Sendungen des DDR-Rundfunks mit Interviews und Musikbeispielen aus den Jahren 1955 bis 1989.
2. Die Videothek
Im Gegensatz zur Phonothek ist die Videothek des Kurt-Schwaen-Archivs vom Umfang her recht bescheiden. Sie umfaßt 40 Videokassetten und DVDs mit Mitschnitten bei Proben und Veranstaltungen. Zudem liegen folgende Filme auf Videoband bzw. DVD vor und stehen Interessenten zur Verfügung:
- Sie nannten ihn Amigo, 1958 (KSV 158)
- Der Fall Gleiwitz, 1961 (KSV 227)
- Fetzers Flucht. Fernsehfilm-Oper, 1962 (KSV 242)
- Vom König Midas, 1962 (KSV 249). DEFA-Studio für Spielfilme
- Im Spiel sich erkennen. Dokumentarfilm über das Kindermusiktheater
Leipzig, 1979
- Engel der Empörung. Filmessay über Oda Schottmüller, 1995
- Kurt Schwaen. Eine weite Reise. Dokumentarfilm 2001 (auch auf Betacam-Kassette)
Des weiteren gibt es Mitschnitte von Proben und Premieren der Oper für Kinder Pinocchios Abenteuer, des Singspiels Der arme Kalifah von dem Lehrstück Die Horatier und die Kuriatier, von verschiedenen Kinderopern (u.a. König Midas.) u.v.m.
Unter diese Rubrik gehört vor allem die umfangreiche Fotosammlung und die Plakatsammlung, aber auch Sammlungen von Kinderzeichnungen zu bestimmten Werken, wie z.B. König Midas, Die Weltreise im Zimmer oder Pinocchios Abenteuer. Einige davon sind von beachtlichem künstlerischem Wert, so die drei Mappen zu den genannten Werken, die von der Arbeitsgemeinschaft Bildende Kunst der ehemaligen Bezirksmusikschule Leipzig unter Leitung von Gerhard Meißner in den siebziger Jahren gestaltet wurden.
Für Publikationen oder Ausstellungen ist ein Zugriff auf Fotos, Plakate und Zeichnungen jederzeit möglich.
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Seit 1997 gibt das Kurt-Schwaen-Archiv ein Mitteilungsheft heraus.
Redaktion: Dr. Ina Iske Titelblattgestaltung: Prof. Axel Bertram
Der Bezug ist kostenlos. Bestellungen sind an die Redaktion des Archivs zu richten.
Der Nachdruck aus den »Mitteilungen« ist mit Angabe der Quelle gestattet.
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